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Mittwoch, 30. August 2023

Ist doch nur nen Kuss….

Eigentlich wollte ich mich gar nicht dazu äußern. Diese Flachpfeife Rubiales küsst ohne Einvernehmen die Nationalspielerin Hermoso. So weit - so schlecht. Ist ja nicht so als würden wir Frauen permanent unter irgendeinem sexistischen Blödsinn leiden(müssen). 


- Ungleiche Bezahlung 

- Ungefragtes Antatschen

- Zunehmende häusliche Gewalt


Zuletzt wollten 23% der Deutschen gern wieder eine Partei an der Macht sehen, die wiederum mich gerne hinterm Herd sieht. So als Püppchen - ohne diese lästige Emanzipation. Das ist Bah und im schlimmsten Fall sogar ansteckend. Oh Graus!


Alles Alltag für uns Frauen. Das nehmen wir zwar weniger hin als noch vor ein paar Jahren, jedoch tolerieren wir weiterhin viel zu viel von diesem Männlichkeits-Schwachsinn! 


Allerdings bin ich nun wirklich richtig sauer. Saurer als sonst jeden Tag. Nein. Moment. Ich bin nicht sauer - ich bin richtig übel angepi**t.


Als ich heute Morgen meinen Newsfeed öffne, schlägt mir eine Schlagzeile ins Gesicht die mich darüber informiert, dass Ángeles Béjar – die Mutter von Luis Rubiales – sich nun in dessen Heimatstadt Motril, in einer Kirche verbarrikadiert hat und in Hungerstreik getreten ist, um die „Hexenjagd“ auf ihren Sohn zu beenden. Mir fehlen wirklich die Worte. 


Allgemein sind die „Meinungen“ die ich in den vergangenen Tagen zu dieser unmöglichen Situation lesen musste zum kotzen. Karl-Heinz Rummenigge sagt er habe ja beim letzten Champions League Sieg auch Männer geküsst, zwar nicht auf den Mund, aber doch aus Freude. Lothar Matthäus erzählt das wäre doch nicht mehr als „Emotionen, Liebe, Leidenschaft“ und am Ende völlig in Ordnung und Johannes B. Kerner behauptet schlichtweg es wäre einfach ein Versehen gewesen… Die Liste könnte man noch weiter ausführen, aber am Ende des Tages bleibt die Frage wieso zur Hölle wir in einer derartigen Situation zu allererst irgendwelche (mittel-)alten weißen Männer dazu befragen müssen, wann sich eine junge Frau belästigt fühlen darf und wann nicht. Der spanische Fußballverband RFEF treibt das Ganze dann noch auf die Spitze und bezichtigt Jennifer Hermosa der Lüge und droht ihr mit Klage. Auf den Fotos des Abends würde man doch sehen das sie Rubiales zunächst umarmt und damit ihr Einverständnis für einen Kuss gegeben hat. Ach so ist das, wenn ich also das nächste Mal nen Kumpel zur Begrüßung umarme, geb ich ihm damit also das Recht mich danach auch jederzeit zu küssen. Na dann Prost Mahlzeit. 


90 Tage Suspendierung durch die Fifa und dennoch die bedingungslose Solidarität seines Verbandes, dass sind aktuell Konsequenzen, die Rubiales für seine beschi**ene, respektlose und übergriffige Aktion erfahren muss. Nicht mehr als ein leichtes Fingerklopfen und ein „Na Na Na Jungchen“ wenn man mich fragt. Und damit ein klares Zeichen für jede/n, dass wir weder beim Fussball – noch gesamtgesellschaftlich – flächendeckend eine Gleichberechtigung und den Respekt vor Frauen erlangt haben. Willkommen im 21. Jahrhundert. Während auf der anderen Seite Hermosa nun diejenige ist, die wirkliche rechtliche Konsequenzen zu befürchten hat. Dafür das sie den Mund aufgemacht hat. Dafür das sie gesagt hat das sie diesen elenden Kuss eben nicht wollte. Dafür das sie ein Mindestmaß an Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper gefordert hat.


Und bei all dem wundern wir uns, wieso Opfer sexueller Übergriffe bis heute zu großen Teilen schweigen und Täter damit ungestraft davon kommen. Wenn selbst Fernsehbilder eines Übergriffs, international ausgestrahlt werden können und man nachher immer noch darüber diskutiert, dass das Opfer schlichtweg lügt oder es am Ende doch gewollt haben soll. 


Man kann nicht soviel fressen, wie man kotzen möchte.


August 2023 - Bella für Nächstes Mal auf Asche



Donnerstag, 25. Mai 2023

Hopperkasse - Teil 2

Es wird immer absurder. Mittlerweile scheint sich die Hopperkasse in diversen Szenen zu etablieren. Wir berichteten jüngst nach unserem Interview mit unseren Freunden von Groundhoppeln hierüber, wie man interessierten Fußballbegeisterten - unter Androhung von körperlicher Gewalt - Kohle abknüpft. In den meisten Fällen von Menschen, die der gewalttätigen Auseinandersetzung gänzlich abgeneigt sind. Nun traf es die Jungs und Mädels vom VfL Halle 96 (Faszination Fankurve berichtete), für die ein Testspiel beim traditionsreichen Verein Chemie Leipzig, eigentlich als Highlight auf der Tagesordnung stand. Noch unverständlicher: Chemie Leipzig und der VfL Halle 96 bzw. deren Fans/Fanszenen eint eigentlich ein tolerantes und weltoffenes Dasein. Enttäuschend, wenn jetzt bereits in den unterklassigen Ligen (wir reden hier nicht von Derbys oder jahrelangen Fehden) ohne Not, Menschen angegangen werden, die eigentlich nur einen guten Tag haben wollen. 

Zugegebenermaßen waren wir natürlich nicht vor Ort, allerdings ist der Bericht aus Halle deckungsgleich mit einer Menge anderer Berichte, die uns immer wieder erreichen und uns fehlt die Fantasie zu glauben, dass das diesmal anders gelaufen ist. Wir können es nur nochmal betonen: Solch ein Verhalten führt am Ende des Tages dazu, dass Blogs wie NMAA oder Groundhoppeln nicht mehr die Möglichkeit oder die Lust haben, über interessante Vereine aus dem Amateurbereich zu berichten. Lasst den Scheiss! Ein Support in derart unteren Ligen hat vielmehr Anerkennung und keine Demütigung verdient. Insbesondere dann, wenn anständige Leute am Werk sind. 


@Barra Bruwe bzw. Die Fans des VfL Halle 96: Wir können eure be***issenen Erlebnisse leider nicht ungeschehen machen, aber was wir können ist euch einladen zur DJK TUSA. Das Schlimmste was euch dort passieren kann, ist ein Tee im Café de Mo und mit uns - sofern ihr denn möchtet - eine Menge Altbier trinken zu müssen.


Auch unsere Freunde von Groundhoppeln, die wir damals beim Hoppen in Herne kennenlernten, haben sich mit dem Thema auseinandergesetzt und auch etwas zu der Sache aufs virtuelle Papier gebracht: 


Die Hopperkasse- eine paradoxe Erscheinung

Durch die fortschreitende Kommerzialisierung wird die Frage „wem gehört der Fußball?“ immer lauter. Alle Fanszenen würden ohne zu zögern „den Fans“ antworten. 

Umso paradoxer erscheinen die jüngsten Ereignisse in Sachen Hopperkasse. Da tuen sich weltoffene und tolerante Fußballliebhaber zusammen, um sich ein traditionsreiches Spiel in einem altehrwürdigen Stadion anzuschauen und werden von Mitgliedern der heimischen Fanszene abgefangen. Auf der „Flucht vor dem modernen Fußball“ wird man plötzlich von vermeintlich Gleichgesinnten angefeindet… Statt sich über das Interesse, den finanziellen Beitrag und die mediale Aufmerksamkeit der Hopper zu freuen, versucht man ihnen zum Teil gewaltsam das Geld aus den Taschen zu ziehen. Alles unter dem Deckmantel, dass Groundhopper überwiegend aus Fanszenen kommen. 

Aber ist es nicht genau das, was wir mit Blick auf die voranschreitende Kommerzialisierung brauchen? Eine grundlegende Toleranz oder zumindest Akzeptanz unter Fußballfans… einen Zusammenschluss gegen die Funktionäre… 

Dabei reden wir keineswegs von einer Vereinigung der Fanszenen, sondern vielmehr von einem konstruktiven Austausch untereinander auf Augenhöhe.

Aber wenn die Hopperkasse und vergleichbare Anfeindungen eine Antwort auf die Kommerzialisierung des Fußballs sein soll, dann erscheint uns diese sehr paradox. 

Nicht zuletzt haben wir Menschen wie unsere Freunde von Nächstes Mal auf Asche und auch andere Persönlichkeiten durch das Hoppen kennengelernt. Wichtig war und ist uns der Respekt. Respekt gegenüber des Vereins und der Fans wo wir hoppen. 

Schließlich geht es uns doch allen um den Erhalt der Fankultur und den Fußball als Volkssport. Und auch in Zukunft möchten wir die Frage wem der Fußball gehört, so entschieden und deutlich beantworten können.

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